
Werkstoffauswahl für Doppelmembranpumpen
Aggressive Chemikalien, abrasive Feststoffe und anspruchsvolle Prozessbedingungen stellen hohe Anforderungen an Werkstoffe. Die richtige Kombination aus Gehäuse-, Membran-, Kugel-, Ventilsitz- und Dichtungswerkstoffen entscheidet über Standzeit, Betriebssicherheit und Wartungsaufwand. Dieser Leitfaden unterstützt Sie bei der Auswahl der passenden Werkstoffkombination für Ihre Anwendung.
Warum ist die richtige Werkstoffauswahl entscheidend?
Die Auswahl der richtigen Werkstoffkombination ist entscheidend für die Lebensdauer, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit einer Doppelmembranpumpe. Neben der chemischen Beständigkeit beeinflussen auch Abrasivität, Temperatur, Konzentration, Feststoffanteil sowie die jeweiligen Betriebsbedingungen die Auswahl von Gehäuse-, Membran-, Kugel-, Ventilsitz- und Dichtungswerkstoffen.
Erst das optimale Zusammenspiel aller medienberührten Komponenten gewährleistet einen zuverlässigen und langlebigen Pumpenbetrieb. Deshalb sollte die Werkstoffauswahl immer auf Basis der tatsächlichen Einsatzbedingungen erfolgen und nicht ausschließlich anhand der chemischen Zusammensetzung des Fördermediums.
Gehäusewerkstoffe
Kunststoffgehäuse für aggressive Medien
Kunststoffgehäuse kommen insbesondere bei aggressiven und korrosiven Fördermedien zum Einsatz. Polypropylen und PVDF unterscheiden sich hinsichtlich chemischer Beständigkeit, Temperaturbelastbarkeit, mechanischer Eigenschaften und Wirtschaftlichkeit. Die folgende Übersicht unterstützt bei einer ersten Einordnung.
| Werkstoff | Besondere Stärken | Typische Anwendungen | Grenzen und Auswahlhinweise |
|---|---|---|---|
| Polypropylen PP | Viele Säuren und Laugen, Wasseraufbereitung, Galvanik, Dosier- und Transferprozesse sowie allgemeine Anwendungen in der chemischen Industrie. | Für zahlreiche Standardanwendungen geeignet. Bei höheren Temperaturen, besonders aggressiven Oxidationsmitteln oder stark abrasiven Medien können PVDF oder metallische Werkstoffe die geeignetere Lösung darstellen. | |
| Polyvinylidenfluorid PVDF | Hochaggressive Chemikalien, Beiz- und Ätzprozesse, Oberflächentechnik, Galvanik sowie anspruchsvolle Anwendungen in der Chemie- und Elektronikindustrie. | PVDF ist ein Hochleistungswerkstoff und daher mit höheren Investitionskosten verbunden. Für weniger aggressive Medien kann PP technisch ausreichend und wirtschaftlicher sein. |
Gehäusewerkstoffe
Metallgehäuse für anspruchsvolle Anwendungen
Metallgehäuse bieten eine hohe mechanische Stabilität und eignen sich je nach Werkstoff für allgemeine Industrieprozesse, abrasive Medien, hygienische Anwendungen oder hochkorrosive Chemikalien. Entscheidend sind das Fördermedium, die mechanische Beanspruchung, die Temperatur und die jeweiligen Betriebsbedingungen.
| Werkstoff | Besondere Stärken | Typische Anwendungen | Grenzen und Auswahlhinweise |
|---|---|---|---|
| Aluminium Leichtmetall | Öle, Schmierstoffe, Farben, Lacke, Kraftstoffe, Lösungsmittel und allgemeine industrielle Transferprozesse. | Nicht für stark saure oder stark alkalische Medien geeignet. Bei korrosiven Chemikalien sollten Kunststoff, Edelstahl oder Hastelloy® C geprüft werden. | |
| Edelstahl Korrosionsbeständiger Stahl | Chemische Industrie, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, Pharmaindustrie, Wasseraufbereitung und allgemeine Prozessindustrie. | Die Beständigkeit hängt von der verwendeten Edelstahlsorte ab. Chloridhaltige Medien und bestimmte stark oxidierende Säuren können Korrosion verursachen. | |
| Gusseisen Robuster Industriewerkstoff | Schlämme, Suspensionen, Farben, Beschichtungen, Keramik, Baustoffindustrie, Bergbau und mechanisch anspruchsvolle Förderaufgaben. | Für stark korrosive Medien nur eingeschränkt geeignet. Die chemische Verträglichkeit muss vor dem Einsatz anwendungsbezogen geprüft werden. | |
| Hastelloy® C Nickelbasislegierung | Hochaggressive Chemikalien, petrochemische Prozesse, Beiz- und Ätzanwendungen sowie Spezialprozesse mit sehr hohen Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit. | Aufgrund der höheren Investitionskosten sollte der Einsatz anwendungsbezogen bewertet werden. In weniger anspruchsvollen Prozessen können Edelstahl, PP oder PVDF wirtschaftlicher sein. |
Medienberührte Komponenten
Membranwerkstoffe für ARO Doppelmembranpumpen
Die Membrane ist das zentrale Förderelement einer Doppelmembranpumpe und beeinflusst maßgeblich Förderleistung, Standzeit und Betriebssicherheit. Je nach Fördermedium unterscheiden sich die Anforderungen an chemische Beständigkeit, Abrasionsfestigkeit, Temperaturbeständigkeit und Flexibilität. Die folgende Übersicht unterstützt bei einer ersten Werkstoffauswahl.
| Werkstoff | Temperaturbereich |
Chemische Beständigkeit |
Abrasion | Flexibilität | Typische Anwendungen |
|---|---|---|---|---|---|
| PTFE | +4 bis +107 °C | Hochaggressive Säuren, Laugen und Lösungsmittel | |||
| Santoprene® (TPE) | −40 bis +107 °C | Allgemeine Chemie, Wasseraufbereitung und Prozessindustrie | |||
| Hytrel® (TPE) | −29 bis +82 °C | Abrasive Medien, Schlämme und Suspensionen | |||
| Neopren | −18 bis +93 °C | Wasser, Schlämme und allgemeine Industrieanwendungen | |||
| NBR / Buna-N | −12 bis +82 °C | Öle, Kraftstoffe und Schmierstoffe | |||
| FKM / Viton® | −40 bis +177 °C | Lösungsmittel, erhöhte Temperaturen und chemische Prozesse |
Technische Hilfsmittel
ARO Chemguides zur Medienbeständigkeit
Die ARO Chemguides unterstützen bei einer ersten Beurteilung der chemischen Verträglichkeit von Gehäuse-, Membran-, Kugel-, Ventilsitz- und Dichtungswerkstoffen. Die Angaben dienen als technische Orientierung und müssen gemeinsam mit Temperatur, Konzentration und Betriebsbedingungen bewertet werden.
ARO Chemguide (Deutsch)
Vollständiger ARO Chemguide zur Beurteilung der chemischen Beständigkeit von Pumpengehäusen, Membranen, Kugeln, Ventilsitzen und Dichtungswerkstoffen.
Deutschen Chemguide öffnen → PDF Guide · EnglishARO Chemguide (English)
Complete ARO chemical compatibility guide for pump housings, diaphragms, balls, valve seats and sealing materials.
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Die optimale Werkstoffkombination hängt nicht nur vom Fördermedium ab. Auch Temperatur, Konzentration, Abrasivität, Feststoffanteil, Fördermenge, Druckverhältnisse und bestehende Pumpenausführungen beeinflussen die Auswahl. Mit unserer Werkstoff- und Pumpenberatung können sowohl neue Anwendungen ausgelegt als auch bereits eingesetzte ARO Pumpen technisch überprüft werden.
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